Somatisierungsstörung
Dipl.-Psych. Egon Molineus behandelt Somatisierungsstörung mit Verhaltenstherapie in Hamburg Altona Ottensen und Plön Holstein.
Die Somatisierung beschreibt, wie seelische Belastungen sich in Form körperlicher Beschwerden äußern, ohne dass eine organische Ursache dahintersteckt.
Wenn Patienten von einer Somatisierung oder einer Somatisierungsstörung betroffen sind, finden Sie im Folgenden die wichtigsten Diagnosekriterien, bevor anschließend auf den spezifischen Diagnosecode, die Verhaltenstherapie sowie therapeutische Interventionen eingegangen wird.
|
Diagnosekriterien der Somatisierungsstörung
Betroffene zeigen über mindestens zwei Jahre vielfältige psychosomatische Symptome ohne organische Ursache. Eine ausgeprägte Somatisierung kann selbst bei einer bestehenden Grunderkrankung nicht ausreichend erklärt werden, sodass sie das soziale und berufliche Leben erheblich beeinträchtigt.
Da die Patienten stark unter den Beschwerden leiden, suchen sie immer wieder ärztliche Hilfe oder alternative Heiler auf. Ärztliche Befunde ohne organische Ursache werden bei einer chronischen Somatisierung jedoch häufig abgelehnt oder nur für kurze Zeit nach einer Untersuchung akzeptiert.
Für die Diagnose einer Somatisierungsstörung müssen sechs oder mehr Symptome aus mindestens zwei der folgenden Bereiche vorliegen:
- Gastrointestinal: Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, schlechter Geschmack im Mund, Erbrechen oderDurchfall.
- Kardiovaskulär: Atemnot sowie Brustschmerzen.
- Urogenital: Probleme beim Wasserlassen oder unangenehme Empfindungen im Genitalbereich.
- Haut & Schmerz: Missempfindungen, Gelenkschmerzen, Taubheitsgefühle sowie Kribbeln.
Somatisierung: Diagnosecode der Somatisierungsstörung
|
Anhaltende körperliche Beschwerden ohne organischen Befund werden im medizinischen System nach spezifischen Codes klassifiziert. Während die körperliche Somatisierung lange Zeit primär nach der ICD-10 unter dem Code F45.0 (bzw. F45.1 für die undifferenzierte Form als somatoforme Störung) eingeordnet wurde, bringt die neuere ICD-11 eine grundlegende Neuerung mit sich.
In der ICD-11 wird die Somatisierungsstörung nun unter der Kategorie Körperliche Belastungsstörung (Bodily Distress Disorder / BDD, Code 6C20) geführt. Dieser Wandel ist bedeutsam, weil der Fokus bei der Somatisierung nicht mehr allein auf dem Ausschluss einer körperlichen Ursache liegt. Stattdessen stehen die emotionale Belastung, das anhaltende Grübeln sowie die Alltagsbeeinträchtigung im Zentrum der Beurteilung.
Dadurch wird der Leidensdruck der Betroffenen besser gewürdigt, da das tatsächliche Erleben der körperlichen Signale maßgeblich für die Diagnosestellung ist.
Verhaltenstherapie Somatisierungsstörung
|
Die Verhaltenstherapie gilt als Mittel der Wahl, um eine ausgeprägte Somatisierung zu behandeln. Sie ist fest in der offiziellen „S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden“ verankert, die von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) herausgegeben wird.
Ziele der Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie verfolgt bei funktionellen Beschwerden mehrere zentrale Ziele:
- Kognitive Umstrukturierung: Negative Gedanken über die Beschwerden werden erkannt und durch hilfreichere Einstellungen ersetzt.
- Körperwahrnehmung: Betroffene lernen, Körpersignale besser zu verstehen, sodass sie gesund darauf reagieren können.
- Abbau von Vermeidungsverhalten: Schonverhalten wird reduziert, weil dieses die Symptome langfristig aufrechterhält.
- Bewältigungsstrategien: Es werden praktische Techniken vermittelt, damit Stress und Ängste besser reguliert werden.
- Soziale Interaktion: Die zwischenmenschliche Kommunikation verbessert sich, wodurch Beziehungen entlastet werden.
Techniken der Verhaltenstherapie
Zur Erreichung dieser Ziele setzt die Therapie bewährte Methoden ein. Durch graduierte Exposition setzen sich Patienten angstauslösenden Reizen aus, wodurch Vermeidungsverhalten abgebaut wird. Ergänzend helfen Entspannungstechniken (wie PME) dabei, körperliche Anspannung gezielt zu senken.
Studien belegen die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie bei einer Somatisierungsstörung, da sie die Symptome spürbar lindert und die Lebensqualität nachhaltig steigert.
Faktoren und Mechanismen Somatisierungsstörung
Da bei körperlichen Symptomen seelische Ursachen von Betroffenen zunächst selten wahrgenommen werden, ist die Somatisierung ein komplexer psychischer Prozess.
Eine funktionelle Somatisierung entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Mechanismen:
Psychodynamische Mechanismen der Somatisierung
Affektäquivalente & Konversion: Psychischer Schmerz wird in Körpersymptome umgeleitet, damit ungelöste Konflikte dem Bewusstsein fernbleiben.
Bedrohung der Selbstkohärenz: Fehlende Gefühlsverarbeitung führt dazu, dass der Körper als Mittel zur eigenen Stabilisierung genutzt wird.
Abwehrmechanismen: Unbewusste Strategien reduzieren Stress, indem unangenehme Erinnerungen auf die körperliche Ebene verschoben werden.
Schwierigkeiten im Selbsterleben: Belastende Beziehungen sowie Probleme bei der Emotionsregulation verstärken das körperliche Unbehagen.
Körperliche und neurobiologische Mechanismen der Somatisierung
Sympathische Überstimulation: Chronischer Stress führt zu anhaltender körperlicher Bereitstellung, wodurch funktionelle Beschwerden entstehen.
Aufmerksamkeitsfokussierung: Eine starke Zentrierung auf den Körper führt dazu, dass normale Reize überinterpretiert werden.
Somatosensorische Verstärkung: Erhöhte Interzeptionsfähigkeit bewirkt, dass milde Körpersignale als Krankheitszeichen wahrgenommen werden.
Soziale Verstärkung bei Somatisierung
Reaktionen der Umwelt: soziale Aufmerksamkeit oder Entlastung bei Krankheit können dazu führen, dass körperliche Symptome unbewusst häufiger gezeigt werden.
Interventionen Somatisierungsstörung
|
Die psychotherapeutische Behandlungsplanung bei einer Somatisierung nutzt ein mehrstufiges System aus kognitiven, verhaltensbezogenen und körperorientierten Bausteinen.
Kognitive Interventionen: Einsatz von Imaginationsübungen, Verhaltensexperimenten sowie der Umstrukturierung hypochondrischer Überzeugungen.
Verhaltensbezogene Interventionen: Führung von Symptombüchern, Einüben von Entspannungstechniken sowie schrittweise Steigerung der Aktivität.
Interpersonelle Interventionen: Training sozialer Kompetenzen und Bearbeitung von Beziehungskonflikten in der Gruppentherapie.
Emotionsregulation & Entsomatisierung: Gezielte Trennung von seelischem und körperlichem Erleben sowie Verbesserung der Wahrnehmung.
Therapeutische Beziehung: Aufbau eines sicheren Rahmens, damit neue Einsichten nachhaltig in das Selbstkonzept integriert werden.
Kognitive Interventionen
Positive Zielvorstellungen: Zunächst werden Phantasie- und Imaginationsübungen genutzt, um positive Zukunftsbilder zu fördern.
Verhaltensexperimente: Außerdem helfen praktische Tests dabei, negative Denkmuster zu identifizieren und anzupassen.
Realistischer Gesundheitsbegriff: Ebenso werden Experimente eingesetzt, um die Einstellungen gegenüber Gesundheit und Krankheit zu verändern.
Hypochondrische Überzeugungen: Darüber hinaus werden irrtümliche Krankheitsannahmen identifiziert und umstrukturiert.
Suche nach Alternativerklärungen: Schließlich unterstützt die Therapie bei der Suche nach verschiedenen Interpretationen von Symptomen.
Verhaltensbezogene Interventionen
Symptomtagebücher: Zunächst dokumentieren Patienten ihre Beschwerden und Einflussfaktoren zur Analyse.
Bewältigungsstrategien: Anschließend werden praktische Techniken zur Symptomkontrolle vermittelt.
Entspannungstechniken: Außerdem kommt PME zur Stressreduktion zum Einsatz.
Belastbarkeit steigern: Zudem wird die körperliche Aktivität schrittweise erhöht.
Schon- und Vermeidungsverhalten: Abschließend erfolgt eine graduelle Exposition, um Vermeidungsverhalten zu reduzieren.
Interpersonelle Interventionen
Soziale Kompetenzen: Zunächst trainieren Patienten ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten.
Nähe-Distanz-Regulierung: Darüber hinaus entwickeln sie gesunde Grenzen in Beziehungen.
Zweierbeziehungen: Ebenso werden Konflikte bearbeitet und das gegenseitige Verständnis gefördert.
Korrigierende Erfahrungen: Außerdem werden positive zwischenmenschliche Interaktionen vermittelt, um dysfunktionale Muster zu verändern.
Aggressionsvermeidung: Schließlich setzen sich Patienten bewusst mit aggressionsvermeidenden Verhaltensweisen auseinander.
Emotionsregulation und körperorientierte Interventionen
Entsomatisierung: Zunächst werden körperliche und seelische Empfindungen voneinander getrennt.
Symptomaufgabe: Anschließend erfolgt die Akzeptanz und Verarbeitung des psychischen Leidens.
Affektregulation: Außerdem wird die Fähigkeit verbessert, Emotionen zu kontrollieren und auszudrücken.
Integration negativer Affekte: Ebenso werden negative Emotionen einbezogen und verarbeitet.
Körpererleben verbessern: Schließlich wird an der Wahrnehmung und Integration körperlicher Empfindungen gearbeitet.
Therapeutische Beziehung und Rahmenbedingungen
Nutzung eigener Wahrnehmungen: Zunächst unterstützt die Empathie des Therapeuten die Therapie, ebenso wie die Wahrnehmung in der Gruppentherapie-Arbeit.
Aufklärung über Trigger: Darüber hinaus werden Situationen identifiziert und bearbeitet, die das Selbstbild destabilisieren.
Vertrauensbildung: Außerdem wird im Therapieraum Hamburg Altona Ottensen ein sicherer Rahmen für das Erleben und die Bearbeitung von Emotionen entwickelt.
Verändernde Visionen: Ebenso werden positive Zukunftsvorstellungen gefördert und neue Perspektiven entwickelt.
Integration neuer Einsichten: Schließlich werden neue Erkenntnisse und Erfahrungen in das Selbstkonzept einbezogen.
Kontakt Egon Molineus
Wenn Sie einen TERMIN in meiner Praxis für Psychotherapie in Hamburg Altona Ottensen & Psychotherapie Hohwacht Plön Holstein vereinbaren möchten, dann klicken Sie auf Anfrage.